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Sabine Zissener bleibt engagiert
CDU-Politikerin will ihre Parteiämter und Sitz im Kreistag behalten - Klare Positionen gefordert
(Rhein-Zeitung 22.03.2008)
 
Vor wenigen Wochen ist sie von der Kandidatur zum Bundestag zurückgetreten, weil sie sich wegen ihres Privatlebens in der eigenen Partei gemobbt fühlte. Jetzt erläutert Sabine Zissener, CDU-Politikerin aus Gebhardshain, in einer persönlichen Erklärung ihre Beweggründe für die Aufgabe der Kandidatur und sagt, wie es weitergeht.
KREISGEBIET. Sabine Zissener will ihre Parteiämter sowie ihren Sitz im Kreistag behalten. "Dieses Mandat kommt von den Wählerinnen und Wählern. Sie haben mich mit einem guten Votum ausgestattet und ich möchte sie jetzt nicht enttäuschen."
Zur Vorgeschichte: Die 37-Jährige lebt mit einem türkischen Partner zusammen, das gemeinsame Kind ist nicht getauft. Diese Situation sei für einige in der Kreispartei der Grund gewesen, hinter ihrem Rücken zu tuscheln. Obwohl etliche Parteifreunde die Betreffenden gebeten hätten, damit aufzuhören, sei dies nicht geschehen. Die Folge für die Familie: Anrufe aus allen Teilen des Kreises, in denen sich erkundigt worden sei, was denn da für schmutzige Wäsche gewaschen werde. Und auch im Verhalten einiger Menschen in ihrem persönlichen Umfeld will Sabine Zissener bereits starke Veränderungen entdeckt haben.
Mit ihrem Rückzug von der Kandidatur will Zissener in Zukunft ihre Familie schützen. Die frühere Europaabgeordnete gibt aber durchaus auch politische Gründe für ihren Schritt an: "Wie soll ich über Integration und Kinder mit Migrationshintergrund reden, und das muss man von einer Bundestagsbewerberin erwarten können, wenn ich solche Dinge am eigenen Leib erfahre?" Und: "Wie sollen wir unserem Kind diese Sachen später einmal erklären? Ich kann mich nur bei einigen Leuten dafür bedanken, dass sie uns in dieser schlimmen Situation moralisch unterstützt haben und entsetzt waren, was hier geschieht."
Wie die persönlichen Dinge seien auch andere Einwände gegen ihre Person während der gesamten zwei Monate zwischen Bekanntgabe ihrer Kandidatur und ihrem Rückzug in den CDU-Gremien nicht diskutiert worden. Hinzu komme, dass stets von einem "offenen Verfahren" bei der Kandidatenkür für den gemeinsamen Wahlkreis von Neuwied und Altenkirchen gesprochen worden sei, der Neuwieder CDU-Kreisvorstand sich zwischenzeitlich jedoch klar und deutlich hinter den Kandidaten Erwin Rüddel gestellt hat. Dies hätte sie spätestens in dem Moment auch von ihrem Kreisvorstand erwarten können, als Dr. Peter Enders aus Eichen seine Bewerbung für den Bundestag zurückgezogen hatte.
Dass sie persönlich stark genug sei, um es mit Sabine Bätzing von der SPD aufzunehmen, dies unterstreicht Sabine Zissener selbstbewusst: "Bei der Europawahl 2004 war der Landkreis Altenkirchen der Kreis in Rheinland-Pfalz, der sein Ergebnis für die CDU nochmals etwas gesteigert hat, während in anderen Landkreisen Prozente verloren wurden. Bei der gleichzeitig stattfindenden Kommunalwahl hatte ich das zweitbeste Personenergebnis nach Dr. Josef Rosenbauer und noch vor Michael Lieber erhalten. Natürlich hat das nicht alleine an mir gelegen, sondern an den sehr vielen Menschen in unserer Kreispartei, die daran mitgearbeitet haben. Dennoch darf ich wohl sagen, dass ich einen großen Teil inhaltlich und persönlich dazu beigetragen habe." Angst und Bange mache ihr die Herausforderung einer Bundestagswahl keineswegs - während ihrer Zeit im Europaparlament habe sie von der öffentlichen Vergaberichtlinie bis hin zur Änderung der EU-Vogelschutzrichtlinie einige Probleme und Angriffe gemeistert. Sie sei zudem der Auffassung, dass auch alle anderen CDU-Kandidaten eine gute Chance gegen Bätzing haben bzw. im Fall von Dr. Enders gehabt hätten.
Von ihrer Partei fordert Sabine Zissener mehr inhaltliche Auseinandersetzungen ein: "Vielleicht haben einige bei mir das fehlende Programm kritisiert. Dann muss ich jedoch die Frage stellen: Wie hätte ich das bei den jetzigen Voraussetzungen liefern können, wenn sich die CDU in vielen Punkten nicht einig ist? Zur Bildungspolitik etwa gibt es sehr unterschiedliche Aussagen, die Diskussionen im Ober- und im Unterkreis laufen häufig aneinander vorbei, statt sie auf Kreisebene zu bündeln. Natürlich habe ich meine eigene, dezidierte Meinung zu den Themen. Aber soll ich die öffentlich liefern oder soll ich ehrlich sagen, die CDU hat keine einheitliche Position in der und der Frage?"
Die Gebhardshainerin will auf jeden Fall weiter in der CDU und auch in der Frauen-Union arbeiten. "Ich weiß, wie wichtig vielen Mitgliedern unsere Partei ist. Und genau aus diesem Grund möchte ich mich einbringen und dabei helfen, die Probleme, die wir haben, zu lösen."
Text: Michael Stoll
 
Bleibt engagiert in der CDU: Sabine Zissener.
Foto: Asmussen