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CDU des Kreises feiert 60.
1946 öffnete in Betzdorf erste Geschäftsstelle - Damals gegen "Rheinland-Separatisten" gewehrt
(Rhein-Zeitung 06.02.2006)
 
Bernhard Vogel im Hüttenhaus Herdorf
Artikel der Rhein-Zeitung: Kreis-CDU feiert ihre 60 Jahre
Artikel der Rhein-Zeitung: Wetterfeste Christdemokraten
 
Vor 60 Jahren, im Januar 1946, öffnete im damaligen Kaufhaus Menze in Betzdorf die erste Kreis-Geschäftsstelle der Christlich Demokratischen Partei - Vorläuferin der CDU. Ein Blick in das Archiv des Herdorfers Raymund Helmert fördert Interessantes aus den Gründungsjahren der Partei zutage.
KREISGEBIET. Während die Geschichte der CDU im Kreis Altenkirchen ab 1948 gut dokumentiert ist, gibt es aus den Anfangs- und Gründungsjahren der Partei nur wenig Zeugnisse. Als ergiebige Quelle erweisen sich da die umfangreichen Materialien des verstorbenen Pädagogen Raymund Helmert. Der Herdorfer hat die Aufbaujahre von CDU und JU im Kreis maßgeblich mitgestaltet. Er war Kreisgeschäftsführer, Kreisvorsitzender der Jungen Union, Rats- und Kreistagsmitglied, 27 Jahre lang Vorsitzender des CDU-Gemeindeverbandes Herdorf und im Landesvorstand der CDU tätig.
Die Rhein-Zeitung konnte Einblicke nehmen in sein Archiv zahlreicher Ordner und Mappen, in Stapel persönlicher Notizen sowie in vertrauliche Briefwechsel mit führenden Unionspolitikern, Tabellen und Statistiken.
Im November 1945 erlaubte die französische Militärregierung die Bildung antifaschistischer Parteien. Bald darauf, im Januar 1946, wurde im Kaufhaus Menze in Betzdorf die erste Geschäftsstelle der Christlich Demokratischen Partei - Vorläuferin der CDU - gegründet, erster Kreisgeschäftsführer war der Herdorfer Robert Mockenhaupt.
In Koblenz wurde derweil die CDP für die Provinz Rheinland-Hessen-Nassau ins Leben gerufen. Diese warb eindrücklich für einen "Volksstaat" Rheinland. Die CDP des Kreises Altenkirchen ahnte zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass sie Teil einer "Separatistenvereinigung" geworden war. Nach Bekanntwerden der Koblenzer Deklaration distanzierte sich der erste CDP-Kreisvorsitzende Dr. Heinrich Heinen am 26. Juli 1946 in scharfer Form von diesen Plänen. Gleichzeitig beantragte er die Umbenennung der CDP in CDU. Heinens klares Eintreten für die Staatenform der Bundesrepublik brachte der CDU einen großen Wahlerfolg bei den Gemeinderatswahlen am 15. September 1946. Die ersten Wahlen zur Kreisversammlung (Kreistag) fanden am 13. Oktober 1946 statt. Auch hier wurden strenge Kriterien an die Bewerber gestellt. Paul Wingendorf, der spätere Kreisvorsitzende und MdL, fuhr damals mit dem Fahrrad über den Westerwald und holte die Zustimmungserklärungen der CDP-Kandidaten ab. Bei den Wahlen zum Kreistag wurde die CDP stärkste Partei. Mit Gründung des Landes Rheinland-Pfalz am 30. August 1946 wurde dann überall im Land die CDP in CDU umbenannt.
Wirtschaftlich ging es aufwärts: Am 18. November 1947 wurde der Hochofen I der Friedrichshütte Herdorf angeblasen - mit dabei Ministerpräsident Dr. Peter Altmeier. Er war einen Monat zuvor zum ersten Landesvorsitzenden gewählt worden. Im Frühjahr 1948 wurde die Alte Herdorfer Hütte und im September 1948 das Stahl- und Walzwerk Wehbach in Betrieb genommen.
Am 17. November 1946 beriet die Landesversammlung die erste Verfassung von Rheinland-Pfalz. Aus dem Kreis Altenkirchen nahmen Josefine Dörner (CDU) und Christian Rörig (SPD) daran teil. Sie gehörten nach der Wahl auch dem ersten Landtag an. Dieser setzte sich zusammen aus 48 Sitzen für die CDU, 34 für die SPD, acht für die KPD, sieben für die LDP und vier für die SV. LDP und SV schlossen sich im Dezember 1948 zur FDP zusammen.
Rechtsanwalt Dr. Heinrich Heinen, seit dem Sommer 1946 CDP-Kreisvorsitzender, trat am 14. März 1948 auf dem Kreisdelegiertentag in der Gaststätte Brabeck in Betzdorf wegen Arbeitsüberlastung zurück. Ihm folgte Hubert Deipenbrock senior. Erster Kreisvorsitzender und Mitglied des Bezirksvorstandes der Jungen Union wurde Raymund Helmert.
Im Herbst 1946 gab es im Kreis Altenkirchen elf CDU- Ortsverbände. Die JU des Kreises wurde am 22. März 1947 in der Gaststätte Brabeck in Betzdorf gegründet, bald darauf folgten JU-Ortsverbände in Betzdorf, Herdorf, Wissen, Niederfischbach und Mudersbach.
Bei den ersten Kreisdelegiertentagen stand die Frage der Verpflegung oft im Vordergrund. Meist lud Paul Wingendorf nach Kirchen ein, da man dort an der Gemeinschaftsverpflegung der Firma Jung (Wingendorf war Bürgermeister und Angestellter bei Jung) teilnehmen konnte. Es gab gelbe Erbsen, gehamsterte Kartoffeln und Schweinefleisch aus einer Schwarzschlachtung. Wer damals mit dabei war, schwärmt noch heute: "Endlich mal wieder satt geworden". 1948 wurde die CDU-Geschäftsstelle nach Wissen verlegt. 1949 ging es dann darum, einen Kandidaten für den Wahlkreis Neuwied/Altenkirchen zur Bundestagswahl zu finden. Im Gespräch waren Hüttendirektor Heinz Berndt aus Herdorf und Dr. Jung von der IHK. Beide Kandidaten zogen ihre Bewerbung aber bald zurück. Raymund Helmert und Heinz Schwarz, damals CDU-Kreisgeschäftsführer in Neuwied, drängten daraufhin Dr. Franz Wuermeling zur Kandidatur. Wuermeling gehörte anschließend 20 Jahre lang dem Bundestag an und war Familienminister im Kabinett Konrad Adenauers.
1951 schied Raymund Helmert aus den Diensten des CDU-Kreisverbandes aus und wechselte nach Koblenz zur Landesgeschäftsstelle. Am Ende seiner Chronik resümiert der 1994 Verstorbene: "Die CDU des Kreises Altenkirchen hat sich stets bemüht, Wohlstand für alle zu schaffen. Dass es uns möglich war, diesen in Frieden und Freiheit zu erreichen, dafür danken wir Gott. Dem künftigen vereinten Deutschland und uns allen gilt der Segenswunsch des Siegerländer Bergmanns "Glück Auf"." (he)
 
Im Knappensaal (1979) war es, dass Bernhard Vogel (links) stets von der "Stadt Herdorf" sprach. Raymund Helmert (Mitte) machte darauf aufmerksam, dass man keine Stadt sei. Vogel: "Dann beantragt das doch, ich werde es befürworten". Das war die eigentliche Geburtsstunde der Stadt Herdorf. Rechts Helmerts Nachfolger Gerhard Fuchs.
 
Dr. Bernhard Vogel hat an Herdorf durchaus gute Erinnerungen. Im Jahre 1987 verlieh ihm die Karnevalsgesellschaft den Bockorden, und vom Funkenmariechen gab es ein Küsschen obendrein.
 
Prominente Politiker kamen oft in den Kreis: Hier der Besuch im Jahre 1965 bei der Friedrichshütte Herdorf: (von links) Arbeitsdirektor Paul Seeger, Verteidigungsminister Theo Blanck, Bürgermeister Josef Solbach, CDU-Vorsitzender Raymund Helmert, Familienminister Dr. Franz- Josef Wuermeling und Hüttendirektor Lukas.
Fotos: Archiv/he